Was war zuerst da: Motivation oder Bewerb?

„Für mich, wie auch für viele andere Läufer, gibt es keine Ziellinie. Rennen enden, das Laufen
endet nicht!“
(Dean Karnazes)


Wenn dem so ist, warum hadern dann aktuell so viele mit der Motivation? Warum fragen sich etliche Athletinnen aus den unterschiedlichsten Sportarten: Wozu denn eigentlich noch trainieren, wenn die Hoffnung auf Bewerbe eher mager ist? Ganz einfach, weil die Aussicht auf einen Wettkampf viele von uns antreibt. Mit einem Ziel vor Augen trainiert es sich leichter. Momentan leben wir aber in einer Zeit der Orientierungslosigkeit. Abgesagte Bewerbe, eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten und Ungewissheit über den weiteren Saisonverlauf. Damit geht jeder anders um – und das ist auch vollkommen in Ordnung so.
Was wir dabei aber möglicherweise übersehen und uns deswegen immer wieder in Erinnerung rufen sollten, jetzt mehr denn je: Ein Großteil von uns übt den Sport wegen der Bewegung per se aus. Um in der Natur zu sein, den Wind zu fühlen, die Berge zu sehen. Und auch indoor gilt das. Um den eigenen Körper auszuloten, sich selbst zu spüren.

Wenn eine Absage nach der anderen eintrifft.

Trotzdem fällt es schwer, sich daran zu erinnern, wenn der Traum vom eigenen Saisonhöhepunkt von einem Moment auf den anderen wie eine Seifenblase zerplatzt. Das trifft mittlerweile fast jeden. War es zunächst „nur“ der Wien Marathon, haben sich kurz darauf die Ereignisse überschlagen. Österreichische Staatsmeisterschaften über die Duathlon-Kurzdistanz? Abgesagt. Olympische Sommerspiele? Abgesagt. Österreichische Meisterschaften im 100km-Lauf? Abgesagt. Die Liste der nicht stattfindenden Bewerbe ließe sich mittlerweile über alle Sportarten hinweg unendlich fortsetzen. Auch aus Veranstalter-Sicht sind das keine leichten Entscheidungen. Während bereits heute fix ist, dass der Berlin-Marathon am 27. September nicht stattfinden wird, wurde der IRONMAN Austria beispielsweise gerade erst auf den 20. September verschoben. Überhaupt ist der herbstliche Sportkalender dicht gefüllt. Auf die Frage, wie viele der Termine tatsächlich stattfinden können werden, gibt es allerdings keine Antwort – zum aktuellen Zeitpunkt weiß wohl keiner so recht, was realistisch ist.

Positiv in die Zukunft blicken.

Was wir aber auf jeden Fall tun können, ist, uns trotz allem weiter zu bewegen. Und auch wenn die Motivation einmal ausbleibt, ist das nichts, wofür man sich genieren muss. Jeder darf sich guten Gewissens auch mal eine Pause gönnen. Wenn es einen dann wieder packt, ist die Zeit mit Einheiten nach Lust und Laune genauso gut genutzt wie mit harten Trainings. Wer noch eine Spur mehr möchte, dem sei es ans Herz gelegt, an den eigenen Schwächen und Baustellen zu arbeiten. Man kann nie genug mobilisieren, dehnen, stabilisieren etc. Auch mit Grundlagentraining ist man unabhängig von der Sportart gut bedient, legt man damit schließlich die Basis für den zu einem späteren Zeitpunkt folgenden spezifischen Aufbau.
Für diejenigen, die das Wettkampffieber unbedingt brauchen, gibt es zurzeit ein großes Angebot an virtuellen Rennen.

Was war zuerst da: Motivation oder Bewerb?
Eine Pause ist vollkommen in Ordnung und kann ohne schlechten Gewissens zum Kraft tanken genutzt werden.

Und für wen das nichts ist, gilt: Denkt daran, der nächste reale Bewerb kommt bestimmt. Wir wissen zwar nicht wann, aber der Tag wird kommen. Spätestens dann macht sich jeder
jetzt gelaufene, geradelte oder geschwommene Kilometer, jedes beim Krafttraining überwundene Kilo und jeder sonstige Sieg gegenüber dem inneren Schweinehund bezahlt.

Und so betrachtet ist es dann eigentlich auch komplett egal, ob die Motivation oder der Bewerb zuerst da war…

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