Triathlon während COVID-19: Training und Gedankeneinblick

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Nadine Schmitz berichtet wie sie sich im Moment ihr Training gestaltet und welche mentalen, körperlichen und räumlichen Hindernisse auf einen während der Krise zukommen. Sie zeigt, dass ein unerwarteter Stein im Weg kein Grund zum Aufgeben sein muss, sondern neue Wege eröffnen kann.

Triathlon während COVID-19:  Training und Gedankeneinblick

„Donnerstag, der 12 März! Eben kam die Meldung dass das Stadthallenbad sowie alle öffentlichen Bäder bis auf unbestimmte Zeit zusperren. Zum Glück hatte ich gerade meine vorerst letzte Schwimmeinheit absolviert, aber bringen sollte es mir am Ende nichts.

Wahrscheinlich befanden sich die meisten, die genau wie ich in Vorbereitung auf ihren ersten Triathlon der Saison sind, gerade im Schwimmtrainingsblock. In diesem geht es darum mit Hauptaugenmerk an der Technik zu feilen und mit 4 Einheiten/Woche ordentlich Kilometer im Wasser zu sammeln!“

‚Fakt ist, es ist Wurscht welche Zeit im Wettkampf raus kommt. Es werden grad alle langsamer. Nur die, die jetzt Zuhause was machen, deutlich weniger!‘ -Jan Wolfgarten

„Somit ist das ganze für eine/n Triathlet/in natürlich ziemlich bitter, vor allem wenn wie bei mir genau hier die größtmöglichen Verbesserungspotenziale liegen! Das Schwimmen ist die Auftaktdisziplin im Triathlon und bereits hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Schafft man es an der vorderen Gruppe dranzubleiben, hat man ́s anschließend beim Radfahren und Laufen auch leichter vorne mitzuspielen. Es gilt also hier keine Zeit zu verschenken, denn vor allem auf den kürzeren Distanzen ist diese kaum mehr einzuholen.

Damit die über den Winter aufgebaute schwimmspezifische Kraft jetzt nicht komplett verloren geht, wurde das Schwimmen durch Zugseiltraining ersetzt.

Ergänzt wird dieses durch Schultermobilisation, sowie schwimmspezifisches Athletiktraining und Kräftigungsübungen. Das Wassergefühl wird allerdings jetzt wohl oder übel flöten gehen.

Zum Glück beginnt jetzt dann eh die Freiwassersaison, und wir haben die Möglichkeit uns endlich wieder in die Fluten stürzen (dem Neo sei Dank!). Und als Triathlet/in hat man ja zum Glück noch zwei andere Sportarten auf die man dann jetzt stattdessen das Hauptaugenmerk legen kann. Laufen und Radfahren darf man ja glücklicherweise draußen machen, alleine.

Bei Schlechtwetter wird das Rad stattdessen einfach auf den Smart Trainer gespannt und per Zwift (= virtuelle Welt, in der man per Rollentrainer Rad fahren kann) wird das anstehende Trainingsprogramm in den eigenen vier Wänden abgespult.

Leider blieb es ja nicht nur bei der Schließung der öffentlichen Bäder! Die darauffolgenden Maßnahme waren abzusehen, aber dennoch als ambitionierte/r Sportler/in, der fokussiert auf ein Ziel hintrainiert, ziemlich hart.

Nach und nach wurden die ersten Laufveranstaltungen abgesagt. Auf diese folgten die ersten Triathlons. Die Frühlings-sowie die erste Hälfte der Sommersaison ist somit zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Ich befand mich gerade im spezifischen Training in Vorbereitung auf die ersten Wettkämpfe, das die entscheidende Trainingsphase darstellen soll, der Form-Feinschliff sozusagen. Ziel dieses Trainingsblocks besteht darin die erarbeiteten Grundlagen der Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit aus den ersten beiden Trainingsperioden in eine gute Wettkampfleistung umzusetzen. Da dies jetzt nicht mehr notwendig ist, wurde mein Training kurzerhand zurück ins Grundlagentraining umgestellt und die Intensivität der einzelnen Einheiten vorerst wieder rausgenommen.“

Und jetzt? – Motivationstief überwinden

„Wie geht es weiter? Wann finden denn jetzt wieder Wettkämpfe statt? Wird es diese Saison bzw. dieses Jahr überhaupt noch Sportveranstaltungen geben? Und was wenn nicht, was dann? Mir gingen zu diesem Zeitpunkt einige Fragen durch den Kopf. Worauf jetzt hintrainieren, wie und vor allem wozu? Soll ich mir ganz neue Ziele festlegen nur um so die Motivation aufrecht zu erhalten?

Seien wir mal ganz ehrlich: Die Wettkämpfe sind doch eigentlich die Kirsche auf der Torte, die Belohnung für das monatelange intensive Training. Das ist der Moment wo man die Möglichkeit hat alles davor Antrainierte umsetzen und sich mit anderes zu messen. Denn nur darauf läuft doch das ganze am Ende hinaus.

Und hier muss ich gestehen, habe ich mich für einen kurzen Augenblick dabei erwischt wie ich in ein kleines Motivationsloch gerutscht bin.“

‚Alle haben die gleichen Bedingungen, die Frage ist nun: Wer ist mental am stärksten und drückt es trotzdem durch dranzubleiben!‘ -Coach

„Und so habe ich für mich persönlich eingesehen, dass gerade jetzt der ideale Zeitpunkt ist die Zügel etwas lockerer zu lassen, an Schwächen zu arbeiten und mich und das ganze Training nicht ganz so streng zu nehmen wie sonst in den meisten Fällen. Es gibt Momente da gibt es weitaus wichtigere Dinge als stetig Leistung zu bringen. In der heutigen Gesellschaft sind wir eh schon häufig genug Dauerstress und Leistungsdruck ausgesetzt, dem man versucht gewachsen zu sein. Und schlussendlich darf man nie vergessen, dass der Sport ein Ausgleich zu dem ganzen Alltagsstress darstellen und in erster Linie Spaß machen soll!

Die Coronakrise stellt uns alle vor eine Herausforderung, in vielerlei Hinsicht! Genau deswegen ist es jetzt umso wichtiger sich körperlich und geistig fit zu halten! Sich vorgenommene Ziele sich ja jetzt nicht einfach in der Luft verpufft, sondern haben sich nur weiter nach hinten verschoben (=längere Vorbereitungszeit). Versuchen wir es als Chance anzusehen stärker als zuvor aus dem Ganzen heraus zu gehen, auf sportlicher sowie auch auf mentaler Ebene!

In diesem Sinne: Keep On Training

Ein Kommentar zu “Triathlon während COVID-19: Training und Gedankeneinblick”

  1. Ja, ist leider bitter, ich konnte auch nicht Nordic Walken gehen, hab zugenommen, aber das wird jetzt sicher wieder besser. Habe auch 2 Bewerbe sausen lassen müssen… mache jetzt bei Österreich läuft mit… besser als gar nix!

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