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Rock@Woman/Man Dirtrun Erzberg

Bad ideas make the best memories.

…das Motto von Marlene und mir, das unseren Tag am Sa., 12.08.2017 begleitet und bestimmt hat!
Die „bad idea“, gehabt schon Ende März: Wir starten gemeinsam in der „Pärchenwertung“ bei der Premiere des „ROCK@WOMAN / MAN DIRTRUN ERZBERG“ im Rahmen der „Ich spüre den Berg Adventure Days“. Ein Hindernislauf, in dieser Form weltweit ziemlich einzigartig: Im sonst gesperrten Bergwerksgelände des größten aktiven Tagbergbaus Mitteleuropas, über Bergbaumaschinen und Abraumhalden, durch Schlammteiche und Stollen, auf den Spuren des berühmten Erzbergrodeos – doch davon später mehr.
..das Lied, das wir bei der gemeinsamen Hinfahrt mehrfach aus dem Radio klingen gehört haben, immer fröhlich, melodisch, ausgelassen und lautstark von Marlene mitgesungen und geshaked! :)

Nun aber von vorne:
Zur Feier der 15. Auflage des Erzberglaufes (der von mehreren Team-Mitgliedern bereits im Vorjahr erfolgreich laufend absolviert wurde – auch von mir, wobei ich von der besonderen Anziehung dieses Berges gefangen wurde, um wiederzukommen –, und der heuer von Josef per Nordic Walking bezwungen wurde! Und Anja war auch im Dirtrun unterwegs, in einer Team-Wertung beim 8er!) wurde die Veranstaltung noch um einen Hindernislauf erweitert. Aufgelegt wurden ursprünglich zwei Distanzen: Small mit 8 km und 28 Hindernissen, Large mit 12 km und 4 Hindernissen zusätzlich. Marlene hatte zu meiner großen Freude meiner Anfrage zur gemeinsamen Teilnahme rasch zugestimmt und wir haben uns auf die Langdistanz geeinigt – wenn schon, dann wollten wir den vollen Spaß haben! Und dann kamen „bad news“: Der Veranstalter habe sich vermessen, der Bewerb Large sei leider tatsächlich etwas länger: + 4 km! Dafür gingen sich weitere Hindernisse aus; man könne sich kostenlos auf Small ummelden. Bad idea, die zweite: Wir bleiben bei Large. Und trotz einiger Bedenken noch kurz vor dem Start (Wetter, Zeit, meine bisherige Einschränkung,…) sind wir letztendlich auch dabeigeblieben und haben es durchgezogen: 16+ km, ~ 300+ HM, 36+ Hindernisse im, rund um und mitten durch den Bergbaubetrieb.


Am Abend zuvor standen bei mir ausgiebiges Dehnen und Auflockern (ich musste seit dem Frühjahr wegen eines Problem mit der Achillessehne aussetzen und das hier war nach langem wieder meine erste Bewerbsteilnahme) sowie frühes Bett am Programm; um 04:30 Uhr stand ich nach einem unruhigen Schlaf auf, um mit dem ersten Bus Richtung Treffpunkt mit Marlene abfahren zu können. Beim Warten auf den Bus um 05:45 Uhr kam mir ein erschreckender Gedanke: Marlene hat sich wohl die falschen Freunde ausgesucht! …Während sie sich die Sportkleidung anzieht und schon auf eine lange Autofahrt und danach Schlamm, Wasser, Kriechen, Klettern, unwegiges Laufen rauf und runter, Schleppen, etc. vorbereitet, bleibt bei mir ein eleganter Wagen stehen, eine Dame in schicker Ausgehkleidung und hochhakigen Schuhen steigt aus und geht nach durchgefeierter Nacht in den frühen Morgenstunden nach Hause und wohl ins Bett. Naja, jede/r hat so seine Herausforderungen.
Erstes großes Danke an Marlene an diesem Tag, dass sie das mit mir macht! Es werden noch viele folgen…

Gemeinsam düsten wir durch einen wolkenverhangenen Morgen mit Regen nach Eisenerz, von wo wir mit einem Shuttle-Bus mitten in das Bergbaugelände zum Start-Ziel – Bereich gebracht wurden und dabei gleich das erste Hindernis zu bestehen hatten: 20 Minuten Wartezeit mitten auf einer Rampe im vollen Bus, wegen der täglichen Sprengzeit, in die wir genau hineingefahren sind; die Schwierigkeit dabei: Einige Mitstreiter und ich hatten schon einen ziemlichen Druck und es war die Frage, wem es zuerst die Blase sprengt. ;)
Ok, von allen schadlos bewältigt, ernsthaft weiter:
Der Zugang zum Gelände führte eng zwischen den Schnauzen zweier Haulys hindurch, den riesigen Schwerlastwägen des Bergwerks. Wie üblich bei OCR´s: Anstellen zu Daten-Check, Abgabe des Haftungsausschlusses („Mir ist bewusst, dass die Teilnahme zu Verletzungen und Tod führen kann.“), Akkreditierung, Goodie- und Shirt-Ausgabe, Gepäckabgabe, Briefing. 30 Minuten bis Elite-Start – das sind jene, die als die schnellsten Bezwinger der Strecke gelten und in den Vorteil trockener Hindernisse ohne Wartezeiten kommen. Das Startsignal für sie und damit für den ganzen Bewerb war eine kleine echte Sprengung am Berg oben. Wir kamen im dritten Block unter, Start um 11:20 Uhr. Genug Zeit, sich noch einmal zu Dehnen, Aufzuwärmen, zur Ruhe zu kommen und die Gedanken auf die nächsten Stunden und die Hindernisse zu fokussieren.

Unser Team-Shirt konnte auch wieder punkten: Wir wurden von einem Paar angesprochen (erBegleiter, sie 8 km-Teilnehmerin), die sich auch beide als vegan „outeten“. Sehr nette Begegnung.
Und auf der Strecke hat es auch zu überraschten und positiven Kommentaren von Streckenposten und Publikum geführt, sowie zu besonderer Aufmerksamkeit der Fotografen.
Beste Meldung: Während ich unter dem Stacheldraht durchrobbte und doch ab und zu einen kurzen Kontakt am Rücken mit den Spitzen hatte, kamen Rufe von den Zuschauern: „Runter! Das schöne Shirt!“.

Der Einstieg vom Vor-Startbereich zum Startblock: Durch einen Hauly-Reifen hindurch. Warten auf den Start und im kühlen Wind in Bewegung bleiben, damit die Muskulatur nicht auskühlt. Startschuss. Laufen über groben Kies und Schotter, über halb getrocknete Schlammbänke. Erstes Hindernis: 90 m robben über Schlamm unter Stacheldraht. Ein Klassiker. Dann der nächste: Ein Balancier-Akt über 100 m Reifenteppich. Weiter zu den ersten Kletterhindernissen: Auf einen alten Bunker hinauf, in ausrangierte Hauly-Wannen hinein und über Seile auf deren Oberkante hinauf und dann wieder abseilen / runterklettern, über Erzsiebanlagen drüber, unter alten Bauwägen und durch große Rohre kriechen, einen Berg aus Hauly-Reifen erklimmen.
Dann die Reminiszenz an das Erzbergrodeo: Die „Wasserleitung“, an der die besten 2-Takt-Enduro-Fahrer regelmäßig reihenweise scheitern – 130 Meter nach oben über einen rutschigen Hang aus Kies, Erde, Schotter und größeren Steinen, die locker in der Masse stecken; vom schweren Regen der Tage zuvor ausgewaschene, mannshohe Rinnen; Halt überwiegend nur durch die Schuhe, mit denen man sich in das rutschige Gemenge bohrt oder in gerade zuvor entstandene Trittlöcher steigt, bevor sie wieder vom herabrieselnden Sand zugedeckt werden; mit den Händen ist kein fester Halt zu finden, der Untergrund weicht gleich aus und bietet keinen Widerstand. Die Hände braucht man dennoch zur Bewältigung: Schon kurz nach dem Einstieg in die Wand hängt man auf allen vieren in dem bis zu gut 80° steilen Hang. Während ich mich „vergehe“ – ich habe nur auf den Meter unmittelbar vor mir geschaut und nicht bemerkt, dass ich zu weit nach links abkam, schließlich vor einer senkrechten, unbezwingbaren Rinne landete und wieder ein Stück zurück musste – hilft Marlene einer anderen Teilnehmerin, die am Rande einer Panikattacke steht, mit beruhigenden und tröstenden Worten sowie mit klaren, einfachen Anweisungen hinauf. Das kostet Zeit, doch das ist der Geist einer wahren Hindernisläuferin!

Oben wieder eine längere Laufstrecke über Schotter, Wiesenstücke und auf schmalen Graten mit tiefen Abbrüchen links und rechts, immer im Schatten der mächtigen Terrassen des Erzabbaus.
Schließlich kommt die Abzweigung für die Large-Distanz und gleich das erste Zusatzhindernis bei der ersten Labestelle: Die Gösserrunde. Ja. Erklärt sich wohl eh von selbst, oder? Herren: eine volle Kiste Gösserbier, Damen eine halbe. Nein, nicht was ihr denkt! …Rund um einen giftigen Schlammteich tragen, 1,5 km lang. Und dann wieder heil und vollständig abgeben.
Manko: Es gibt nicht genug Kisten, wir müssen warten und vertun dort gute 8 bis 10 Minuten. Marlene kann früher los, und holt dann für sich und auch mich Trinkbecher (Wasser!), geht mir auf den letzten Metern entgegen und tränkt mich. Das war toll; so etwas habe ich auf all meinen Hindernisläufen, die ich sonst alleine absolviere, noch nicht erlebt!

Wieder eine Laufstrecke bergauf, bis wir zum Bereich der „Wasserspiele“ kommen: Über einen Wassergraben hangeln, mit bereits total rutschigen, gatschigen Griffstangen. Alternative: Durch knietiefes Schlammwasser waten. Ich schaue mir die Stangen und die Distanz an und steige ins Wasser. Ehrlich: So wie die schon ausgeschaut haben, ist mir trotz der Handschuhe ein Nicht-Abrutschen sehr abwegig vorgekommen. Und bevor es mich zur Gänze in die Brühe haut, habe ich lieber nasse Schuhe und Beine. Marlene entscheidet auch so und schon sprinten wir durch die eiskalte, eisenerzrot gefärbte Suppe. Während wir uns über Serpentinen auf Abraumhalden raufschrauben geht es weiter zum nächsten Spektakel: Eine lange Folienrutsche einen Hang hinab, über Kopf hoch angefüllt mit Schaum, Untertauchen und Verschwinden unausweichlich – Luft anhalten, denn Atmen ist unmöglich, die Schaumbläschen dringen sofort in Mund und Nase; ich kann sie noch immer „schmecken“. Unten wird man eher unerwartet und überraschend freundlicher Weise mit einem Feuerwehrschlauch abgespritzt, mit eisig kaltem Wasser. Mir bleibt kurz die Luft weg, doch dann ergebe ich mich der Dusche und drehe mich langsam um mich; wenn schon, dann soll er mich auch ordentlich abspülen und einwascheln, eh schon wurscht. Marlene weiß auch hier zu Scherzen und fragt den überraschten Floriani, ob ihr Make-Up eh nicht verwischt ist.
Dann folgen wieder abwechselnd Laufabschnitte und glitschige Schlammbecken zumDurchwaten und Rein- und Rauskrabbeln, bis zu hüfttief. Warum genau jetzt wurden wir gerade vorher abgewaschen?!
Wieder einen steilen Hang hinaufklettern, dann kommt ein Teich, der zu durchschwimmen ist – wir nehmen den Tipp des Anfangs-Aufpassers, am Rande zu gehen, dann muss man nicht ganz hinein, gerne an, auch wenn der Aufpasser am Ende dazu ziemlich mault. Wir sind eh schon durch und durch nass genug.

Dann folgt eine Station mit Steine tragen und dann nach einer Partie mitten durch ein junges Wäldchen mit eng stehenden Bäumen und Gesträuch wieder das Schlammwasser von vorhin: Hier muss man nun der Länge nach durch den schlammigen, glitschigen Graben, versehen mit der Warnung, dass Löcher im Wasser seien. Sehr interessant; na, die will ich sehen. Also hinein, und bis zur Brust eintauchen. Seltsam, ich finde keine Löcher im Wasser, aber dafür welche im Boden, der in der nicht zu durchblickenden roten Brühe immer wieder unerwartet abhandenkommt, zur Seite rutscht oder plötzlich auch ansteigt. Am Ende muss man noch über das Gehäuse, in dem die Stangen zum Hangeln montiert sind, drüber klettern, dann noch mal ins Nasse und dann haben wir es hinter uns.

Anschließend kommt ein langer, langer Laufabschnitt, irgendwann müssen wir ja Kilometer machen, um die Distanz aufzufüllen. Der Weg führt auf und ab durch den Wald, über eine Forststraße, Hänge hinunter, über Schotterpisten; bis wir schließlich bei einer alten Bahnstrecke ankommen, die wir nun wieder bergan entlang laufen müssen – immer zwischen den Schienen, links und rechts davon ist es zu gefährlich, weil es auch über hohe Viadukte mit nur wenig Absturzsicherung geht. Das ist ja mal ein nettes Hindernis, so was kriegt man bei anderen Läufen nicht. Aber: Auch wenn wir da so mitten in einer schmalen Schneise durch den Wald über die Schwellen und den Schotter traben (an Laufen ist nicht zu denken; die eisernen Schwellen sind völlig unregelmäßig angelegt und rutschig, immer wieder stoße ich an Steine an) und den intensiven Geruch der Bäume, Sträucher und des Waldbodens tief einatmen, vergeht mir bald die Freude daran. Für mich ist dieses „Hindernis“ einfach zu lange, wir sind gefühlte 3 km auf der Bahntrasse unterwegs (es werden schon nicht mehr als ca. 1,5 km gewesen sein, schätze ich; mir jedenfalls viel zu lange), mir wird fad! Und wir kommen nicht ordentlich voran – was vor allem mir zu schulden ist: Ich muss wirklich auf jeden Schritt achten und zu Boden schauen; tja, man darf halt nicht alt werden und Probleme mit Nah- und Weitsichtigkeit bekommen. Dazu kommt noch, dass mich diese Monotonie aus Schwelle nach Schwelle und konzentriertem Blick darauf einzuschläfern beginnt, mein Hirn steht vor dem Wegdriften ins Trübe. Das alles zusammen beginnt mich ziemlich zu ärgern und ich kann bald nicht mehr anders, als es durch ein lautes „Hrmpf“ und Schnauben Kund zu tun. Marlene erkennt mein Tief, reagiert wunderbar und „trägt“ mich so über den Streckenabschnitt: Sie bleibt an meinen Schritt angepasst bei mir, redet ruhig mit mir, lenkt mich ab und stimmt sogar „Bad ideas make the best memories“ an! Hätte uns das nicht noch mehr aufgehalten und wäre es im engen Gleisbett einfach möglich gewesen, hätte ich sie dafür an Ort und Stelle am liebsten umarmt.

Endlich kommen wir am Ende der Gleisstrecke an, ein alter Güterwagon erwartet uns. Es gilt ihn zu erklimmen und an seiner Seite über ein glattes Gestänge zu balancieren, mit einem locker durchhängenden Seil als einzigen Halt an der Wagonwand. Marlene geht voran, klettert behände auf den Wagen, der Aufpasser warnt noch: „Vorsicht, die Stange ist schon sehr rutschig“ und schon verliert sie mit einem Fuß den Kontakt und hängt am Seil. Geschickt und schnell findet sie gleich wieder Halt, stemmt die Schuhe aufs Rohr, lässt sich mit dem Seil in die angewinkelten Arme zurückfallen und bildet damit den richtigen Anpressdruck, um sich sicher entlang hangeln zu können!
Mir ist bei der Angelegenheit nicht ganz wohl, die Schienen-Sache hängt mir noch an, ich habe Sorge um meine gerade wieder fit gewordene Achillessehne bei einer unkontrollierbaren Bewegung oder plötzlichen zu großen Belastung – und Marlene schlägt vor, dass wir hier von der Wettbewerbsbedingung Gebrauch machen, dass man ein Hindernis umgehen darf, wenn man wartet, bis ein anderer Teilnehmer es geschafft hat. Sie absolviert also flugs den Wagon für uns beide, gemeinsam laufen wir weiter.

Eine kleine Labestelle, dann an einem Seil einen steilen Hang hinauf, durch ein altes Haus und plötzlich stehen wir am Beginn eines alten Bergwerksstollens. In der Mitte verläuft wieder ein Gleis, diesmal kann man jedoch fast die gesamt Länge durchlaufen, da die Schwellen überwiegend mit Erde bedeckt sind. Es ist dunkel und feucht und kühl, es tropft von der gewölbten Decke, nur gut alle 10 Meter gibt es eine Beleuchtung, die gerade dafür sorgt, dass man den Weg von einem Lichtfleck zum anderen erkennen kann. Links und rechts gibt es immer wieder Nischen und Seitenstollen, der Tunnel wird mit Sprengungen und Lokomotivengeräuschen beschallt. Wir sind gute 800 m durch den Berg unterwegs, Marlene läuft voran und warnt mich vor besonderen Tücken und Gefahrenstellen.

Wir kommen wieder ans Tageslicht, laufen durch einen Bereich voller Lager- und Maschinenhallen, und kommen schließlich wieder auf einen der breiten Transportpfade am Hang des Erzbergs und reihen uns wieder in die Strecke der 8 km-Teilnehmer ein, die auch schon unterwegs sind – und denen all diese Lustbarkeiten entgangen sind. Es folgen noch ein paar „kleine“ Kraftübungen, wie Autoreifen einen Hang hochziehen und Sandsäcke über einen Buckelparcours schleppen, dann wieder längere Laufstrecken bergab über die Schotterpisten und quer hangabwärts durch Waldstücke, auch dort mit Hindernissen zum drüber Klettern zwischen den Bäumen, und knapp entlang an steilen Abbrüchen. Marlene weiß inzwischen, dass ich nicht gerne lange bergab laufe und vor allem nicht schnell, dafür haben meine Knie in den Jahren zuvor schon zu viel mitgemacht. Sie bleibt dennoch auf den breiten Wegen an meiner Seite, trabt mit mir dahin, ermutigt mich und reicht mir zwischendurch kurz die Hand, obwohl ich sie durch meinen verhaltenen Lauf aufhalte.
Schließlich sehen wir den Zielbereich und fast gleichzeitig bricht die Sonne durch die Wolken, es wird plötzlich warm. Wir laufen nebeneinander, schauen einander an und unausgesprochen erhöhen wir gleichzeitig das Tempo auf einer langen, ebenen Geraden. Wir kommen wieder zu den beiden Haulys, die es nun zu überwinden gilt: Am Ende der Mulde des einen steht ein künstlicher Boulder-Turm, um auf die 4,5 Meter Höhe des Lastwagens kommen zu können. Wieder müssen wir uns in eine lange Warteschlange einreihen, Marlene klettert geschickt und schnell voran. Ich lasse noch ein paar andere vor, lockere meine Sehne noch einmal ordentlich auf und geh erst dann die ungesicherte Klettertour an. Oben angekommen wartet eine kleine Mutprobe: Der Übergang vom senkrechten Turm auf die waagrechte Muldenkante, mit einem halben Meter Abstand dazwischen. In der Mulde ist eine Sandrampe aufgeschüttet, um auf den Überhang über das Fahrerhaus zu kommen, eine liegende Holztreppe zum darüber Trippeln bildet den Übergang zum anderen Hauly, eine Sandrampe führt wieder hinunter zur Ausschütt-Kante, wo eine steile Metalltreppe wieder auf den Boden führt. Marlene wartet dort schon besorgt auf mich, wir laufen gemeinsam um den Zielbereich herum zu den letzten Hindernissen: Eine an den Hang geheftete Stahlkonstruktion, wieder ein alter Stollen, viele historische Steinstufen hinauf und hinunter, durch eine aufgelassene Bergwerkshütte und dort unter einem mächtigen alten, hölzernen Rad hindurch, rund um einen hundert Jahre alten riesigen Schwerlastkran, noch um eine Kurve und ein letzter Anstieg – von „hinten unten“ kommen wir wieder in die Event Area und endgültig auf das Ziel zu.

Gemeinsam und nebeneinander nehmen wir den Anstieg, schauen einander noch einmal in diedoch schon leicht angespannten Gesichter („Diese kleine Runde hätte es nun wirklich nicht mehr gebraucht, wir waren ja schon beim Ziel“, lese ich von Marlenes Gesicht ab, und stimme ihr still zu – ich kenne das ja schon von den anderen Hindernisläufen, da gibt es immer wieder so eine kleine Prüfung der Motivation am Schluss), erreichen die Kuppe und sehen den Zielbogen ein paar zehn Meter vor uns, die Menschen im Publikum feuern uns fröhlich an.
Während wir unabgesprochen und doch einmütig sowas wie einen Zielsprint starten, schaue ich noch einmal nach rechts auf Marlene. Ich habe tatsächlich mit ihr diesen Hindernislauf absolviert! Wir haben gemeinsam alle Hindernisse bewältigt, wir sind scherzend, plaudernd, aber auch wiederum lange still nebeneinander oder hintereinander gelaufen und marschiert, immer beisammen, immer aufeinander aufpassend, einander motivierend, antreibend. Sie hat sich immer wieder um mich und mein Handicap gesorgt, dafür das Tempo rausgenommen, damit die Sehne bei ihrem wieder ersten Einsatz nicht zu sehr belastet wird. Sie hat die Strapazen der langen An- und Rückreise und des Bewerbs in der Large-Distanz auf sich genommen, damit wir nun gemeinsam durchs Ziel laufen können, damit ich mit ihr ins Ziel laufen kann. Einmal mehr bin ich ihr unsagbar dankbar. Ich sehe, dass sie begonnen hat, sich während der letzten Meter schon die Handschuhe auszuziehen, ziehe auch schnell meinen rechten aus und biete ihr die Hand, die sie auch annimmt – so laufen wir gemeinsam über die Ziellinie.

Dieser Tag gehört trotz der an sich bad idea mit der Teilnahme an dem Ganzen wahrlich zu den best memories meines Lebens.

Wir bekommen die Finisher-Medaille und das Labe-Sackerl, holen uns unser Zeug wieder ab, nehmen den nächsten Shuttle-Bus ins Tal nach Eisenerz, ziehen uns dort auf der Straße um und endlich wieder trockene Sachen an, und machen uns wieder auf den Weg Richtung Wien zurück.

Hindernislauf einmal anders. Ungewöhnliche, doch an sich leichte Hindernisse, verglichen mit anderen OCR-Bewerben, die ich schon absolviert habe; interessante Umgebung dafür im Bergwerk und eine schöne, wilde Landschaft rundum.
Ein durch Marlene wunderbar gestaltetes und sehr schönes „Comeback“ für mich.
Danke, Marlene, für all das, und dass Du Dich durch mich hast aufhalten lassen.

Das offizielle Ergebnis:
02:56:55
5,43 km/h
11:03 min/km
Marlene: Klassenrang 10 W-Jugendlich, Rang 172 insgesamt
Ich: Klassenrang 82 M-Jugendlich (…das muss wohl ein schwerer Fehler in der Klassenzuordnung sein!), Rang 171 insgesamt – ich war wohl mit meinem Chip-Bein um vier Hunderstel früher auf der Zeitnehmungsmatte, als Marlene mit ihrem.
Pärchen-Wertung: Rang 10 von 15, bei vier Ausfällen.

Günther