Die Startlinie ist das Ziel: 24h-Lauf WM in Albi

Alles begann letztes  Jahr im Juli, als ich mich beim 24 Stundenlauf in Irdning mit 190km und dem österreichischen Meistertitel  für die WM qualifizierte. Voller Vorfreude und Motivation setzte ich mir für die WM als Ziel, endlich die 200km Marke zu knacken und war gespannt auf das bevorstehende Training.

Doch unverhofft kommt oft und so verletzte ich mich Anfang Jänner an der Hüfte und es begann eine schwierige Zeit… Starke Schmerzen, Kein Sport, schmerzhafte Therapien, viele verschiedene Meinungen von Physios und Ärzten und die Teilnahme an der WM rückte in weite Ferne…. Ich kann nicht leugnen dass es schrecklich war, vor allem auch mental… Ohne den geduldigsten Trainer und liebe Freunde wäre es umso härter geworden.

Anfang Mai konnte ich wieder erste, schmerzfreie Laufschritte machen. Davor hielt ich mich wortwörtlich mit Aquajogging über Wasser. Es war klar, dass die Zeit für ein spezifisches Training für die WM nicht mehr reichen wird und so wurde die Startlinie zum Ziel. Zwischenzeitlich hatte ich auch einen Radunfall und so fing Ende August der Fuß an mit Schmerzen auf sich aufmerksam zu machen. Naja kurz gesagt, ein verletzungsreiches Jahr mit fast keinem Training.

Im Flugzeug nach Albi war dann aber klar, dass ich meinem Ziel, der  Startlinie immer, näher kam. Spätestens bei der Fahnenzeremonie machte sich das WM Feeling in mir breit. 54 Nationen, 400 der weltbesten Ultraläufer und ich, mitten in dem Getümmel, ich grinste von einer Backe zu anderen. Bei der Fahnenparade wurde ich damit überrascht, dass ich als österreichische Meisterin, die Fahne tragen und das österreichische Nationalteam anführen durfte. Es war eine riesen, mega Ehre und ein unvergessliches Gefühl. Die ganze Eröffnungszeremonie war ein Wahnsinn.

Das mühsame und anstrengende vor einem Ultra ist vor dem Startschuss. Alle Getränke zu mixen, alles her zurichten und zu überlegen was man so braucht und dass man ja nichts vergessen darf. Zum Glück war ich nicht alleine und mein Coach behielt den Überblick über das Chaos.

Nach dem Frühstück wurde alles zusammen gepackt und es ging ab zur Strecke. Vor Ort stieg die Aufregung ins unermessliche… Letzte Vorbereitungen wurden getroffen, alles noch einmal eingeölt, Startnummer montiert, Chip kontrolliert und noch einmal alle Wehwehchen ausgerollt. Mein neues Ritual vorm Start wurde geboren, ließ mich bisschen runter kommen.

Davor noch schnell das obligatorische Team Gruppenfoto, bisschen Getanze zur Musik, Umarmungen von Teamkollegen und Coach und dann gings los zur Startlinie, gleich hab ich mein Ziel erreicht. Es war unbeschreiblich mit der Masse an Ultraläufern los zu laufen, Gänsehautfeeling pur. Alle hatten die gleiche Leidenschaft, das gleiche Ziel: die folgenden 24 Stunden einfach sein Bestes zu geben und sich den Herausforderungen zu stellen die in 24 Stunden auf einem zukommen.

Start war um 10 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein und bald schon umhüllte uns im Oktober eine Hitze. Für mich lief es die ersten 15 ½ Stunden unerwartet gut. Die Hitze machte mir zwar anfangs zu schaffen, aber mit viel Wasser und nassem Kopf kam ich ohne größere Probleme durch. Auch deshalb, weil mein Trainer und Betreuer einen guten Überblick darüber hatte, dass ich ausreichend Flüssigkeit zu mir nahm. Da blieb er sehr hartnäckig, denn oft hatte ich überhaupt keine Lust etwas zu trinken.

Zweimal machte ich einen kurzen Boxenstopp im Teamzelt um den angeschlagen Fuß mit Tape und Eisspray zu versorgen und ließ mir von Christoph bisschen die Muskeln durchbewegen. Das waren so kleine Belohnungen, die ich mir vor Augen hielt und dann bei bestimmten Kilometern gönnte J Zum Beispiel bei 100km.

Die Nacht ist eigentlich meine Stärke, doch ein Tief und Müdigkeit machten mir zu schaffen. Da kam ein Geistesblitz und so verlangte ich für die nächste Runde meinen IPod. Musik setze ich immer gezielt ein und YES es hats wieder mal gebracht. Ich drehte singend Runde um Runde und meine gute Laune steckte auch die Zuschauer an die vereinzelt an der Strecke standen und jubelten mit Runde um Runde zu. Bisschen angefeuert zu werden hilft einem Mental sehr weiter, also Dankeschön euch allen J

Doch so gut es mir eigentlich ging und ich gut im Rennen lag, meine Pace schon über 14 Stunden konstant hielt, umso schneller kam der Urknall, der mich auf den Boden der Tatsachen zurück holte. Denn Tatsache war, dass ich fast ohne gezieltes Training in dieses Rennen ging und mein Körper nicht wirklich darauf vorbereitet war. Ja es war mein 5ter 24 Stundenlauf und beim Ultralauf ist vieles auch Kopfsache, aber ganz ohne körperliche Vorbereitung geht’s dann auch nicht. So sagte das Knie Stopp. Der Kopf wollte laufen aber der Körper ließ es nicht zu. Das war ziemlich bitter für mich und die Tränen flossen. Aber eines war für mich klar, ich geh nicht von der Strecke, nicht von alleine, denn aufgeben ist keine Option. So war Gehen angesagt bzw. teilweise humpeln. Aber Kleinvieh macht auch Mist und so hab ich 26km Gehend zurückgelegt, 140km bin ich durchgelaufen.

Als die Letzte Runde anbrach hatte ich nur mehr Tränen in den Augen und pure Gänsehaut und ich konnte es kaum glauben, dass es schon wieder vorbei war. 166,6km sind es schlussendlich geworden, meine schlechteste Leistung in 24h, aber trotzdem bin ich sehr stolz darauf, am meisten auf meinen Kampfgeist.

Ich bin in diesen 24h gelaufen, gegangen, hab viel gelacht, gesungen, aber auch geweint und gelitten, aber was ich am meisten gemacht habe, war zu kämpfen und den Lauf zu genießen.

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