Die Pandemie und der Kraftdreikampf – eine besonders herausfordernde Beziehung

Die Kraftsport-Welt sieht momentan eher trist aus – auf den ersten Blick jedenfalls. Leere Krafträume, unbenutzte Geräte, verstaubte Hanteln. Bewerbe gab es in den letzten Monaten so gut wie keine. Das heißt aber nicht, dass unsere Athlet*innen Trübsal blasen und nichts tun – im Gegenteil. Wir haben Alex Geburek, den Leiter unserer KDK-Sektion (KDK = Kraftdreikampf) zur aktuellen Situation befragt. Aber lest selbst…

Was war KDK schnell nochmal?

Bevor wir Alex zu Wort kommen lassen, noch kurz ein Wrap-Up zum Sport – für diejenigen, die sich möglicherweise nicht allzuviel darunter vorstellen können. Kraftdreikampf ist eine Kraftsportart, deren Ziel es ist, in den Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben die höchstmögliche Last zu bewältigen. Für jede dieser Übungen haben die teilnehmenden Athlet*innen bei einem Wettkampf drei Versuche – insgesamt also neun Versuche. Bei einem Versuch wird eine Wiederholung durchgeführt. Der Stärkste der Versuche wird in die Wertung aufgenommen – am Ende ergibt sich die Platzierung also anhand der Gesamtsumme der drei stärksten Versuche der einzelnen Disziplinen.

Die Pandemie und der Kraftdreikampf - eine besonders herausfordernde Beziehung
Normalerweise herrscht hier reges Treiben – aktuell warten die Geräte sehnsüchtig darauf,
wieder benutzt zu werden.
Wie sieht das KDK-Training normalerweise aus?

Alex: „Das hängt grundsätzlich immer davon ab, wie weit weg der Wettkampf ist – im zeitlichen Sinne. Das Training im Powerlifting ist stark auf den Wettkampf bezogen. Das heißt, dass die Grundübungen – Kniebeuge, Bankdrücken, Kreuzheben – oder Variationen davon eigentlich immer im Plan enthalten sind. Je entfernter der Wettkampf ist, desto „entfernter“ ist meist auch die Variation der jeweiligen Übung. Ein Beispiel für eine Variation der Kniebeuge wären Front Squats – da liegt die Langhantel auf der vorderen Schultermuskulatur anstatt wie sonst auf dem Trapezius. Oder Pin Press fürs Bankdrücken und Block Pulls beim Kreuzheben – beides Varianten mit leicht veränderter Bewegungsamplitude. Durch diese Variationen kann man die „Off Season“ dafür nutzen, an der Technik zu arbeiten bzw. gewisse Schwachpunkte zu bearbeiten.“

Wie kann man sich also eine Trainingseinheit konkret vorstellen?

Alex: „Die einzelnen Trainingseinheiten sind meist ähnlich aufgebaut. Zuerst gibt es ein Warm-Up Programm, dann folgt die Grundübung für Ober- oder Unterkörper: also entweder Kniebeugen, Kreuzheben oder eben Bankdrücken. Dann gibt’s noch „Assistance“ – das sind spezifische Übungen einzelner Muskelgruppen oder andere Variationen.“

Und wie oft wird trainiert?

Alex: „Das hängt natürlich davon ab, wieviel Zeit der/die einzelne Athlet*in zur Verfügung hat. Normalerweise macht man so um die 3-5 Trainingstage pro Woche. Nicht unüblich sind z.B. vier Tage mit jeweils zwei Tagen Ober- und Unterkörper. Also einmal Kniebeugen, einmal Kreuzheben, zweimal Bankdrücken. Beim Bankdrücken hat man normalerweise weniger „Fatigue“: Das heißt, es ist nicht so anstregend wie die anderen zwei Übungen. Deswegen verträgt man da normalerweise ohne Probleme zwei Trainingstage. Das alles ist aber natürlich nur eine ungefähre Skizze des Trainings. Je nach Coaching kann das individuell im Endeffekt auch ganz anders aussehen…“

Aber jetzt geht das ja wegen der Covid-19-Pandemie nicht wirklich – was macht ihr also aktuell?

Alex: „Grundsätzlich bräuchte man für KDK nicht viel Equipment: ein Powerrack, eine Langhantel und eine Bank würden theoretisch reichen. Steht dies nicht zur Verfügung, kann man zumindest mit Resistance Bändern arbeiten. Mit denen kann man sehr viel mehr machen, als man vielleicht annehmen würde. Es lassen sich damit zumindest so gut wie alle Muskelgruppen trainieren. Natürlich ersetzt es nie im Leben das normale Training, aber es ist auch 100mal besser als nichts zu tun.“

Alex „bearbeitet“ seine Resistance Bänder.

Apropos normales Training…?

Alex: „Normales Training ist offiziell leider noch gar nicht möglich, da Indoor Sport bis heute ja nach wie vor seitens der Regierung untersagt ist. Das heißt: Wenn man nicht unbedingt privat irgendwo einen Trainingsraum oder zu Hause etwas hat, ist es quasi unmöglich. Auch die Fitnesscenter haben ja nach wie vor geschlossen. Wir hoffen natürlich, dass sich das bald ändert.“

Gibt es etwas, das euch besonders leicht oder besonders schwer fällt?

Alex: „Das schwierigste ist sicher, dass die Trainingsmöglichkeiten aufgrund der vorher erwähnten Gründe nicht voll da sind. Ein Grundtraining ist jedoch zum Glück möglich, vor allem haben sich viele Athlet*innen inzwischen selbst eingedeckt und trainieren privat und teilweise in den Wohnungen. Natürlich vermissen wir auch die Wettkämpfe, aber da dies derzeit alles so unsicher ist, da niemand weiß, wann und unter welchen Auflagen wieder Wettkämpfe stattfinden können, ist es auch schwierig darauf hin zu trainieren. Es ist schon eine eher deprimierendere Zeit, die hoffentlich bald vorübergeht.“

Die Pandemie und der Kraftdreikampf - eine besonders herausfordernde Beziehung
Moritz hat sein Wohnzimmer umfunktioniert 🙂
Und zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft…?

Alex: „Also aus KDK-Sicht kann ich der ganzen Covid-Sache momentan leider nur wenig Positives abgewinnen. Aber natürlich halten wir uns an alle Regelungen und hoffen, dass es spätestens 2022 wieder „normal“ weitergehen kann 😊“

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