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Der Great Ethiopian Run: Ein Reise- und Laufbericht von Thomas Passmann

Dass Laufen auch in unseren Breitengraden mitunter recht anstrengend sein kann, wissen alle, die es je probiert haben. Also braucht man daher hin und wieder eine neue persönliche Herausforderung – sei es aus Lust am Reisen, aus Neugier auf andere Aussichten als die Bäume der Prater Hauptallee oder auch aus Ehrgeiz, sich selbst wieder mal ein bisserl was beweisen zu wollen.


Und so machte sich Ende November 2017 eine kleine Truppe von Kolleginnen und Kollegen auf, um unter der Betreuung von Harald Fritz, der ja auch immer mit Argusaugen über unsere Fortschritte während des Firmenlauftrainings wacht, in der äthiopische Hauptstadt Addis
Abeba am größten afrikanischen Volks- und Straßenlauf teilzunehmen – dem Great Ethiopian Run.
Bereits die Anreise untermauerte die uralte Redewendung „wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ eindrucksvoll. Einerseits hatten wir ja Abenteuer gebucht, andererseits haben wir alle miteinander gleich wieder etwas gelernt: ein EU-Pass ist nicht gleich ein EU-Pass und das hat nichts mit der Farbe desselben, sondern lediglich mit den Einreisebestimmungen zu tun.
Nachdem wir nach einigen Stunden aber letztlich doch alle ins Land eingereist und glücklich an unserem Bestimmungsort, dem Yaya Africa Athletics Village der äthiopischen Lauflegende Haile Gebrselassie, angekommen waren, machten wir uns nachmittags bereits auf, die Gegend zu erkunden und ein wenig einheimische Laufluft zu schnuppern.

Und diese Laufluft ist zugegebener Maßen schon ein wenig dünn. Genauer gesagt: sehr dünn. Das Camp liegt in circa 2.750 Metern Höhe und somit nochmals knapp 400 m über Addis Abeba. Für die Zahlenverliebten: unter anderem kann man mit der barometrischen
Höhenformel und der hydrostatischen Grundgleichung unter Berücksichtigung der Wetterdynamik den Luftdruck der unteren Atmosphäre für geringe Höhen näherungsweise berechnen. Für die weniger Zahlenverliebten: es herrscht dort oben nur mehr 75 % des gewohnten Luftdrucks und somit steht gegenüber dem üblichen heimischem Laufboden auch nur mehr circa 75 % des Sauerstoffes zur Verfügung. Und das hat natürlich nicht nur auf die Atmung generell eine Auswirkung, sondern im Besonderen auch auf die Muskeln, speziell auf die der Beine. Diese werden natürlich nun auch nur mehr mit  weniger Sauerstoff versorgt und nach ein paar Kilometern schon etwas schwer. Man hat irgendwie den Eindruck, da läuft jemand mit und hängt einem bei jedem Schritt noch ein zusätzliches Bleigewicht dran. Und zu allem Überfluss liegt das Camp ja auch nicht gerade auf einer Hochebene und somit sind dort daher nur wenige gerade Strecken zu finden. Also ein zusätzliches Auf und Ab. Aber wie eingangs bereits erwähnt: man braucht ja Herausforderungen und das vielzitierte „Sterben mit Anlauf“ erreicht hier schnell neue Dimensionen.

Aber dafür wurden wir mit Eindrücken und Ausblicken belohnt, die wir nicht dachten, in einem afrikanischen Land in der Nähe des Äquators zu finden.
Am nächsten Tag machten wir uns nach einem weiteren Höhentraining am Vormittag dann nachmittags auf zum Sightseeing und zur Pasta Party in Addis Abeba.
Auf dem Erkundungsplan standen: ein landestypischer Markt, das äthiopische Nationalmuseum und im Ursprungsland des Kaffees natürlich der Genuss eines solchen.

 


Abends landeten wir schließlich im Hilton bei der Pasta Party für die ausländischen Gäste des Great Ethiopian Run und beim Meet & Greet und Fotoshooting mit Haile.
Und dann war er da: der Sonntag. 10 km durch Addis Abeba – in 2.355 Metern Höhe – mit 150 zusätzlich zu überwindenden Höhenmetern – und gemeinsam mit ca. 45.000 anderen Partygästen aus nah und fern.


Und ja, es war kein klassischer Lauf wie wir ihn bislang kannten, sondern im Prinzip eine einzige riesengroße Straßenparty.
Keine offizielle Zeitnehmung, Musik an allen Enden und Ecken, überall wurde getanzt und gefeiert, etwa in der Mitte der Strecke erinnerte die Szenerie ein wenig an eine Wasserschlacht und an Laufen war an manchen Engstellen sowieso nicht zu denken. Aber es war geil. Me-ga-geil.
Dieses Feeling zwischen all diesen Menschen, die alle dasselbe Shirt trugen. Wildfremde Leute jubeln dir vom Straßenrand aus zu oder klopfen dir auf die Schulter. „Great“ und „you will make it“ sind nur zwei Beispiele der Aufmunterungsrufe, die dir entgegen hallen.


Und ich gebe zu, dass da trotz der Aufregung, trotz der Anstrengung, trotz der Temperaturen
und trotz all der Dinge, die mir durch den Kopf gingen, schon ganz viel Gänsehaut zu spüren war. Ich denke aber, dass es nicht nur mir, sondern auch den anderen unserer Truppe so gegangen ist – jeder ist mit diesem Lauf ein Stückchen weiter über sich selbst hinausgewachsen. Und auch wenn die Zeitnehmung eigentlich nur Nebensache war, selbst hatte man sich ja doch schon auch Ziele gesetzt – ich habe meines für mich erreicht und war mit meiner Leistung mehr als zufrieden.